Interview mit unserer neuen CEO-designate, Camilla Skjønning Jørgensen
„CLIMATEX ist einzigartig, weil sich die Technologien direkt in bestehende Lieferketten und Produktionsprozesse integrieren lässt.“
Zur Unterstützung der internationalen Skalierung von CLIMATEX wurde Camilla Skjønning Jørgensen zur CEO-designate ernannt. Die Textilexpertin verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Mode- und Textilindustrie – von operativen Kernprozessen über Nachhaltigkeit und Innovation bis hin zu Investment und Business Development. Durch ihre Tätigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfügt sie über ein grosses Netzwerk und weiss, wie man anspruchsvolle Materialinnovationen mit kommerziellen und industriellen Realitäten verbindet. In ihrer neuen Funktion wird sie CLIMATEX und seine Technologien in globalen Zielmärkten wie Workwear, Fashion und Interior positionieren und gemeinsam mit industriellen Partnern das internationale Wachstum vorantreiben. In einem ersten Gespräch erzählt die Textilexpertin, was sie so vorhat und was sie an CLIMATEX fasziniert.
Was begeistert dich besonders an CLIMATEX?
CLIMATEX adressiert eine der meistübersehenen strukturellen Hürden im Textilrecycling: Die Art und Weise, wie Produkte heute konstruiert werden, verhindert oft, dass sie morgen effizient recycelt werden können. Das Unternehmen ermöglicht eine bewusste Konstruktion und ein kontrolliertes Disassembly – einzig dank einer sehr kleinen, aber entscheidenden Komponente: dem Nähfaden. So unscheinbar dieser im Produkt erscheinen mag, bestimmt er darüber, ob sich Kleidungsstücke und Besätze wieder voneinander trennen lassen. Durch einen definierten „Unlock“-Mechanismus an dieser Stelle erhöht CLIMATEX die Materialrückgewinnung signifikant. Eine kleine Veränderung auf Konstruktionsebene erschliesst ein deutlich grösseres Volumen an verwertbarem Material.
Über Jahrzehnte konzentrierte sich Innovation auf neue Materialinnovationen, während der Produktkonstruktion vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. CLIMATEX bringt ingenieurtechnisches Denken auf die Konstruktionsebene: Die Produkte bleiben während der Nutzung stabil und leistungsfähig, lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus jedoch gezielt trennen. Damit schafft das Unternehmen die Voraussetzungen dafür, dass Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert. Mich reizt besonders, diese technisch validierte Technologien in die industrielle Umsetzung zu führen – gemeinsam mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um zirkuläre Konstruktion wirtschaftlich skalierbar zu machen.
„CLIMATEX ist einzigartig, weil sich die Technologien direkt in bestehende Lieferketten und Produktionsprozesse integrieren lässt.“
Camilla Skjønning Jørgensen
CEO-designate CLIMATEX
Was macht CLIMATEX anders als andere Mitstreiter?
Der Markt ist weniger von Konkurrenz als von Ansätzen in die gemeinsame Richtung Kreislaufwirtschaft geprägt. Wir sprechen über strukturelle Herausforderungen, die nur im Zusammenspiel verschiedener Lösungen zu bewältigen sind. CLIMATEX nimmt innerhalb dieses Ökosystems eine klar definierte, zentrale Rolle ein. Während sich viele Innovationen auf alternative Materialien oder verbesserte Recyclingtechnologien konzentrieren, setzt CLIMATEX auf einer anderen, ebenso kritischen Ebene an: der textilen Konstruktion.
Die Technologien ermöglichen es, Produkte so zu fertigen, dass sie wieder zerlegt werden können. Das verändert grundlegend, was in der Praxis tatsächlich recycelbar ist. Die Plattform basiert auf patentierten Konstruktionstechnologien wie STITCHLOCK™, WEAVELOCK™ und KNITLOCK™, die eine kontrollierte Trennfunktion direkt in die textile Konstruktion integrieren – bei voller Leistungsfähigkeit während der Nutzung.
Was braucht der Markt heute?
Der Markt benötigt zirkuläre Lösungen, die innerhalb bestehender industrieller Systeme funktionieren und reale operative Anforderungen adressieren. CLIMATEX ist besonders positioniert, weil sich die Technologie unmittelbar in aktuelle Lieferketten und Produktionsprozesse einfügt. So ist die Wirkung disruptiv, die Implementierung nicht. Es werden bekannte Materialien eingesetzt, bestehende Infrastrukturen genutzt und keine erheblichen Investitionen in neue Anlagen erforderlich. Das macht die Lösung skalierbar und ermöglicht der Branche den Übergang zur Zirkularität, ohne sich grundlegend neu erfinden zu müssen.
Ein zentrales Hindernis ist derzeit die fehlende Möglichkeit, Produkte am Ende ihres Lebenszyklus effizient zu demontieren. Das begrenzt Recyclingausbeute, Materialqualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit. CLIMATEX setzt genau hier an: durch kontrollierte Demontage auf Konstruktionsebene und eine deutlich höhere Rückgewinnungsquote. Die Branche bewegt sich zurzeit von der Ambition zur Umsetzung – CLIMATEX schafft dafür die technischen Voraussetzungen.
Wo sehen Sie CLIMATEX in drei bis fünf Jahren?
In drei bis fünf Jahren sehe ich CLIMATEX als etablierte Basistechnologie, die in globale textile Lieferketten integriert ist. Kurzfristig steht die Industrialisierung von STITCHLOCK™ im Vordergrund – über sogenannte Lighthouse-Partnerschaften, die Zuverlässigkeit, Performance und wirtschaftliche Tragfähigkeit unter realen Produktionsbedingungen belegen.
Darauf aufbauend wird die Plattform auf gewebte und gestrickte Konstruktionstechnologien ausgeweitet und findet Anwendung in Bekleidung, Workwear und Interior-Textilien. Langfristig hat CLIMATEX das Potenzial, sich als lizenzbasierter Enabler zu etablieren, der branchenweit zirkuläre Textilkonstruktion ermöglicht. Unser Ziel ist es, einen neuen Standard dafür zu schaffen, wie Textilien konstruiert werden.
Was motiviert Sie persönlich in dieser Rolle?
Ich arbeite seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Marken, Zulieferern, Innovatoren und Investoren. Dabei zeigt sich immer wieder: Der grösste Fortschrittshemmer ist nicht der Mangel an Ideen, sondern die Schwierigkeit ihrer Umsetzung. Über Veränderung zu sprechen ist einfach. Sie tatsächlich umzusetzen, anspruchsvoll.
Mich motiviert die Möglichkeit, Technologie, Geschäftsmodell, Lieferkette und Ökosystem so zusammenzuführen, dass aus Konzepten industrielle Realität wird. CLIMATEX verfügt über die technische Grundlage und die Patente, um eine strukturelle Einschränkung im System zu lösen. Meine Aufgabe ist es, diese Lösung in realen Lieferketten implementierbar zu machen – mit den richtigen Partnern, dem passenden Geschäftsmodell und einer tragfähigen industriellen Integration.
Zudem treibt mich der Aufbau von Lösungen an, die nachhaltige strukturelle Wirkung entfalten. Nicht Narrative, sondern Infrastruktur. Denn wer die Art verändert, wie Produkte konstruiert werden, verändert auch, was am Ende ihres Lebenszyklus möglich ist. Und genau dort beginnt echte Zirkularität.